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Safety first!

Beim Paddeln auf wildem Wasser oder auf dem Meer ist das Thema Sicherheit in aller Munde. Doch auch bekennende Binsenbummler und Flusswanderer, die nur auf zahmen Gewässern unterwegs sind, sollten in Sachen Ausrüstung, Fähigkeiten und Verhalten ein paar Mindeststandards beachten – die Basics in Sachen Sicherheit beim Paddeln.

Eine Schwimmweste tragen!

Nicht nur für die oben abgebildeten Ruderer gilt: Schwimmwesten für Paddler dienen nicht nur als Auftriebshilfe, sondern, vor allem im Wildwasser, auch als Prallschutz. Wie das Paddeln selbst teilen sie sich grob in drei Kategorien: Westen für Wildwasserpaddler, Seekajaker und Tourenpaddler – wobei die Übergänge durchaus fließend sein können. Für alle, die ausschließlich auf Seen und ruhigen Flüssen unterwegs sind, reicht sicher eine Weste für Touringzwecke – und für die muss man auch nicht so tief in die Tasche greifen. Wichtigstes Kriterium beim Kauf: Die Weste muss passen – ganz egal, ob das durch Einstellmöglichkeiten erreicht wird oder ob der Oberkörper von alleine die richtige Größe mitbringt. Auf keinen Fall darf die Schwimmweste beim Paddeln als Störfaktor wahrgenommen werden (beim Anprobieren auch an die Rückenlehne im Kajak denken!) – nur so wird sie so selbstverständlich wie der Sicherheitsgurt im Auto. Überhaupt, die Gurte sind wichtig: Sie sollten so in der Weste vernäht sein, dass sie nicht abreißen, wenn ein Retter z.B. am Schultergurt zieht.

Weitere Kriterien an eine Schwimmweste: Sie soll über praktische Taschen für das verfügen, was man gerne mitnehmen möchte. Auf jeden Fall gehört ein schnell greifbares Rettungsmesser hinein. Außerdem muss die Weste ausreichend Einstellmöglichkeiten bieten. Und gut aussehen soll sie auch noch – schließlich soll man sie gerne anziehen und nicht als nervig empfinden.

Wichtig noch zu wissen: Schwimmwesten für Paddler sind keine Rettungsweste – denn Rettungswesten müssen ohnmachtssicher sein und über mehr Auftrieb verfügen. Und: Kleine Kinder sollten eine Rettungsweste tragen.


Das richtige Boot wählen

Ein Führerscheinneuling gehört nicht hinter das Steuer eines Lamborghini, und wer nicht ständig umzieht, braucht keinen Lkw. Übersetzt aufs Paddeln heißt das: Das Boot muss dem Erfahrungsgrad seines Besitzers und dem Einsatzzweck angepasst sein. Paddelneulinge auf See oder zahmem Fluss brauchen kein superlanges, extrem schlankes Seekajak – und würden sich darin auch nicht wohlfühlen, wenn sie sich vorkommen, als würden sie auf einem Wackelpudding sitzen. Ganz zu schweigen davon, dass das Risiko einer Kenterung steigen würde. In der Regel passt für Wanderpaddler ein klassisches Tourenkajak mit guter Kippstabilität, für ältere, vielleicht etwas hüftsteife Zeitgenossen mit ausreichend großer Einstiegsluke. Auch im Canadiersegment gibt es reichlich geeignete Boote für diese Zielgruppe.


Wurfsack mitnehmen!

Unter Wildwasserpaddlern ist er eine Selbstverständlichkeit, unter Wanderpaddlern (noch) nicht. Dabei macht ein Wurfsack in jedem Kajak Sinn, denn auch auf Wanderflüssen lauern Gefahren – Rückläufe an Wehranlagen zum Beispiel. Der Wurfsack ist ein Rettungssystem für »baden« gegangene Kanuten, dient zum Bergen von verklemmten Booten, zum Abseilen an Steilufern, zum Sichern eines Helfers und vielem mehr. Und: Auch im Umgang mit dem Wurfsack macht Übung den Meister!


Auch ein Rettungsmittel: das Handy

Ein wasserfest verpacktes Handy mit eingespeicherten Notrufnummern kann Leben retten (und hat das auch schon). Hilft im Ernstfall am besten, wenn man auch noch weiß, was ein Notruf enthalten muss. Nämlich die berühmten fünf W:

  1. Wo ist der Unfall passiert?
  2. Wer ruft an?
  3. Was ist geschehen?
  4. Wie viele Betroffene (mit Angabe der Verletzungen, bei Kindern auch des Alters)
  5. Warten auf Rückfragen (nicht gleich auflegen!)

Was sonst noch mit sollte

Auch folgende Gegenstände tragen dazu bei, dass man für Notsituationen gerüstet ist: Erste Hilfe-Set (dazu später mehr). Kopfbedeckung und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor gegen Sonnenbrand und Sonnenstich (vor allem auf großen Wasserflächen ist Schatten eher selten). Trockene Klamotten zum Wechseln, falls man unfreiwillig baden geht. Alles, was nicht nass werden darf, verpackt in einen wasserdichten Packsack. Außerdem: vor allem bei Hitze und körperlicher Anstrengung genügend Flüssigkeit, um Dehydratation vorzubeugen. Und am besten ein paar Müsliriegel oder Energieriegel, um eventuell müden Knochen wieder Kraft zu geben.


Kenterung üben

Mehr oder weniger übereinstimmende Schätzungen aus der Branche lauten: Etwa zehn Prozent der Paddler beherrschen die Eskimorolle. Was im Umkehrschluss heißt: Etwa 90 Prozent beherrschen sie nicht – und bei reiner Binsenbummelei kann man darauf auch verzichten. Und doch: Auch Feierabendpaddler sollten auf die Möglichkeit einer Kenterung vorbereitet sein. Dazu sollte man sich zunächst an den Aufenthalt im Wasser gewöhnen. Schwimmen, tauchen, unter Wasser die Luft anhalten und die Augen öffnen – das sind die ersten Schritte.

Dann geht es ins Kajak, und die Kenterung wird kontrolliert herbei geführt. Das Ganze am besten mit dem eigenen Boot und der eigenen Spritzdecke.

Dabei läuft es stets auf das gleiche Procedere heraus: Schlaufe finden (ggf. am Süllrand entlang tasten), Spritzdecke öffnen und sich nach unten aus dem Cockpit fallen lassen, dabei falls nötig mit den Händen am Süllrand nachhelfen. Klingt einfach, und ist es auch – und doch kann es nicht schaden, wenn man es vor dem »Ernstfall« ein paar Mal geübt hat.

Wenn Sie in einem Verein sind, können Sie das in aller Regel im Rahmen des winterlichen Schwimmbadtrainings üben. Wenn nicht, suchen Sie sich ein warmes, gefahrloses Plätzchen im Badesee. Wichtig: Trainieren Sie diese Situation niemals alleine – beim Üben stellt sich am besten eine Person ins Wasser neben das Boot. Diese kann im Notfall unter das Boot greifen und die Spritzdecke öffnen.

Zum Abschluss ein paar Regeln für unterwegs

Jede Paddeltour beginnt auf dem Trockenen – mit der richtigen Planung. Dazu gehört es zunächst, das Gewässer richtig einzuschätzen, Infos über Wetter und Wasserstände zu kennen. Und zwar möglichst aktuelle Infos, denn die Gegebenheiten auf einem Gewässer können sich zügig ändern.

Zudem muss man natürlich die Gefahrenstellen kennen (beispielsweise Wehre, überhängende oder umgestürzte Bäume, Pfosten, Metallstangen oder Brückenüberreste im Fluss, Stromschnellen, Wasserfälle etc.) und sich mit den Warnsignalen vor Ort vertraut machen, beispielsweise mit Sturmsignalen und Schifffahrtszeichen.

Bei unsicheren Wetterverhältnissen, besonders bei drohendem Gewitter oder Sturm gilt: an Land bleiben!

  • Tour entsprechend den Fähigkeiten der Teilnehmer planen – Strecke und Schwierigkeitsgrad richten sich nach dem schwächsten Paddler der Gruppe!
  • Immer auf Sicht paddeln – wenn man nicht sieht, was kommt, kurz aussteigen und besichtigen. Bei der Annäherung an heikle Stellen wie Wehre nah am Ufer paddeln.
  • Beschilderungen verstehen können – Verkehrszeichen gibt es auch auf dem Wasser!
  • Abstand zu den Mitpaddlern nicht zu groß werden lassen, Blickkontakt halten. Gegebenenfalls eine Reihenfolge ausmachen.
  • Querungen über große Wasserflächen möglichst vermeiden. Diese sind vor allem bei widrigen oder unklaren Wind- und Wetterverhältnissen eine Gefahrenquelle
  • Vorsicht bei Hindernissen aus Ästen und Bäumen im Wasser. Die Strömung fließt hier durch, und so kann das Hindernis wie ein Sieb wirken – in dem Paddler und Boot hängen bleiben.
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